Ein Programm für die Stadt

Flussbad Berlin ist ein städtebauliches Entwicklungsprogramm für eine zukunftsorientierte und gemeinschaftliche Nutzung eines innerstädtischen Flussabschnittes in der Mitte von Berlin. Entlang des etwa 1,9 Kilometer langen Spreekanals entstehen eine Biotoplandschaft und ein Bereich zur natürlichen Reinigung des Flusswassers. Im anschließenden, etwa 850 Meter langen Abschnitt des Kanals machen an mehreren Stellen Freitreppen den Zugang zum Wasser möglich und laden zum Schwimmen ein. Zwischen 2015 und 2019 wurde der gemeinnützige Verein Flussbad Berlin im Rahmen des Bundesprogramms Nationale Projekte des Städtebaus mit 4 Millionen Euro zur weiteren Entwicklung und Vermittlung des Vorhabens durch Bund und Land gefördert. 2019 folgte eine erneute Förderung in diesem Bundesprogramm mit insgesamt 6,4 Millionen Euro zur Realisierung der ersten Freitreppe am Humboldt Forum.
Hiermit möchten wir zeigen, wie das Gesamt­projekt genau aussehen wird und welche Schritte zu seiner Realisierung notwendig sind.

Ein sauberer Fluss

Mit dem Flussbad entdeckt Berlin seinen Fluss in der Stadtmitte wieder. Er wird neu erlebbar: für Spaziergänger, Erholungs­suchende und zum Freiwasserschwimmen. Flussbad Berlin reinigt das Spreewasser mit Hilfe eines ökologischen Pflanzen­filters und eröffnet die Möglichkeit, in das saubere Wasser einzutauchen. So lässt sich am eigenen Leib spüren, welcher Gewinn ein sauberer Fluss für die Stadt ist. Zur Verwirklichung dieser Anliegen wird der 1,9 Kilometer lange Flusslauf in drei Abschnitte unterteilt: Der naturnahe Wasserlauf und der Filter­bereich bilden ein grünes Band am Wasser, der Schwimm­bereich bildet den Abschluss. Alle drei Bereiche sollen hier zunächst vorgestellt werden.

Entdecken: Der naturnahe Wasserlauf

Zwischen der östlichen Spitze der Fischerinsel und der Gertrau­denbrücke liegt der erste Abschnitt. Hier wird der steinerne Kanal zu einem naturnahen Wasserlauf umgestaltet, der von einem neuen Steg gesäumt und mit Sitzgelegenheiten ausge­stattet ist. Er ist einige Meter vom Ufer entfernt und verläuft knapp über der Wasseroberfläche. Mit dem naturnahen Wasser­lauf wird eine Ruhezone für Fische, Insekten und Pflanzen geschaffen – ein Beitrag zur Wiederherstellung des ökologischen Gleichgewichts in der Stadt.

Der Steg eröffnet zudem neue Blickwinkel auf Berlin.
Dazu entsteht an der östlichen Inselspitze in einer heute ver­nachlässigten Grünzone ein neuer Aufenthaltsort.

Eine große, knapp über dem Wasser gelegene Aussichtsplattform bietet ein Panorama auf die hier über hundert Meter breite Spree und den Historischen Hafen – an eben der Stelle, an der sich der Fluss teilt. Etwas weiter flussabwärts am Ufer der Fischerinsel werden in einer neuen Grünanlage die Fundamente der mittel­ alterlichen Stadtmauer von Alt­Cölln freigelegt.

Erforschen: Der Filterbereich

An der Friedrichsgracht, dem zweiten Abschnitt, steht das Wasser der Spree im Vordergrund. Und dies ganz konkret:
Ein natürlicher Pflanzenfilter reinigt das Flusswasser – eine Anlage inmitten des Flussbetts, wie sie bislang nirgends auf der Welt existiert. Zu diesem Zweck wird auf dem Kanalgrund auf einer Länge von 300 Metern eine mit Schilf bepflanzte Kiesschicht aufgeschüttet. Das Wasser durchströmt langsam die Kiesschicht, angetrieben von der Schwerkraft, und gelangt so in die darunterliegende Drainageschicht. Von dort aus fließt es in den anschließenden, tiefer gelegenen Schwimmbereich weiter.

Ein biologischer Abbauprozess innerhalb der Kiesschicht reinigt das Wasser von Keimen und filtert Schwebstoffe heraus. Die Wurzeln der Schilfpflanzen wiederum versorgen den Boden mit Sauerstoff und halten den Filter durchlässig. Der Schwimm­bereich wird von dieser Anlage stetig mit gefiltertem Wasser versorgt. Zu beachten ist dabei, dass die Verschmutzung des Spreekanals großen Schwankungen unterworfen ist, vor allem dann, wenn es stark geregnet hat. Nach Starkregen läuft die Berliner Kanalisation über und unbehandelte Abwässer werden in die Spree gespült. Die Filteranlage ist so angelegt, dass sie mit diesen Extremsituationen fertig wird. Die Reinheit des Wassers im Schwimmbereich ist stets gewährleistet. Zugleich finden sich am Filterbereich Orte der Forschung und Vermitt­lung. Denn hier wird das Flusswasser nicht nur gereinigt, son­dern auch in seiner Qualität überwacht. Hier kann man bereits heute mehr über den Fluss und das Spreewasser lernen, und zwar in der seit 2017 bestehenden Informations-­ und Veranstal­tungsplattform des Flussbad­-Gartens. So können sich z.B. Schulklassen über die Problematik der Gewässerverschmut­zung informieren. Durch Schautafeln, Führungen und Lehrver­anstaltungen wird das Flussbad als Modellprojekt zu diesem Thema vorgestellt.

Eintauchen: Der Schwimmbereich

Dank der vorangegangenen Filterung können Schwimmerinnen und Schwimmer ihre Bahnen in sauberem Spreewasser ziehen – etwa 100 Jahre nach der Schließung der letzten Flussbäder in der innerstädtischen Spree, die 1925 aus hygienischen Gründen ihren Betrieb einstellen mussten. Der Bereich zum Freiwasser­schwimmen ist sehr groß: zwischen 15 und 45 Meter breit und 835 Meter lang. Der Abschnitt beginnt an der Wehrstufe bei der European School for Management and Technology (ESMT Berlin, im ehemaligen DDR­-Staatsratsgebäude) und verläuft vom Auswärtigen Amt vorbei am Humboldt-Forum bis zur Nord­spitze der Museumsinsel. Das Wasser wird hier über zwei Frei­treppen zugänglich, die an der ESMT Berlin und am Humboldt-Forum die heute senkrechte Ufermauer ersetzen. Überdachte und blickgeschützte Umkleiden, Duschen, WCs und Schließ­fächer sind angrenzend an das Hochschulareal auf einem hölzernen Ponton an der Uferwand eingerichtet. Sie sind von der Freitreppe aus und barrierefrei über eine Rampe erreichbar. Ein dritter Zugang zum Wasser wird gegenüber vom Bode­-Museum geschaffen. Auch hier lagert ein schmaler Ponton vor der Ufermauer, mit überdachten Umkleiden und Schließfächern knapp über Wasserniveau.

Das Berliner Flussbad ist kein „Schwimmbad“ im klassi­schen Sinn. Der Zugang zu sämtlichen Treppen und Stegen ist frei und kostenlos. Es gibt keine Umzäunung oder sonstige Begrenzung, kein Kassenhäuschen und keine Schließzeiten. Anlagen wie Liegewiese oder Nichtschwimmerbereich fehlen. Schließlich ist das Schwimmen nur eine Möglichkeit, den neuen Zugang zum Wasser zu nutzen. Die Freitreppen hingegen sind zu jeder Jahreszeit Anziehungsorte, die den Fluss wieder ins Blickfeld der Stadtbewohnerinnen und Stadtbewohner rücken.

Eine Bereicherung für Berlin

Flussbad vereint viele Ziele und Themen: Es geht um eine zu­kunftsorientierte Stadtentwicklung, einen besseren Umgang mit der Natur in der Stadt und um einen neuen Begegnungsort. Es ist ein Projekt, in dem sich alle wiederfinden können und von dem alle etwas haben sollen – Bewohnerinnen und Bewohner sowie Gäste Berlins, alle Altersklassen und sozialen Schichten, und nicht zuletzt die Umwelt.

Nachhaltige Stadtentwicklung

Eine Stadt wie Berlin, die wächst und sich rasant verändert, braucht möglichst viele funktionierende öffentliche Räume.

Mit dem Flussbad erschließt sich die Stadt einen neuen sozialen Ort in ihrer Mitte. Die Lebensqualität wird im Zentrum für alle Bevölkerungsschichten gesteigert. Der Spreekanal wird zu einem lebendigen Bestandteil der Metropole, der durch seine neue Funktion einen Teil seiner früheren Bedeutung zurücker­hält. Und dies wird den Besucherinnen und Besuchern an vielen Stellen vermittelt: Durch die Freitreppen und den Steg an der Fischerinsel können sie erleben, wie die Stadt sich den Fluss zurückerobert hat. Bislang wurde in der historischen Mitte oft geplant und gebaut, ohne auf den Fluss Bezug zu nehmen – mit dem Flussbad Berlin wendet sich die Stadt dem Wasser wieder zu.
Ein Spreekanal, welcher der Stadt vielfachen Nutzen bringt, macht die bereits heute zum Unterhalt des Kanals dauernd notwendigen Ausgaben zu einer sinnvollen Investi­tion. So kann Berlin mit dem Flussbad ein Beispiel geben, wie Städte ihre Ressourcen effizient, ökonomisch und nach­haltig nutzen können.

Ökologie im Zentrum

Was heißt nachhaltige Entwicklung in Bezug auf einen Fluss? Die Verschmutzung natürlicher Gewässer ist auf der ganzen Welt ein großes Problem. Viele Flüsse, Seen und Kanäle sind stark mit Schadstoffen belastet. Deutschland und Berlin bilden dabei leider keine Ausnahme. Auch im Jahr 2019 erfüllte noch kein deutsches Bundesland die 2000 formulierte Selbstver­pflichtung aller EU­Mitgliedsstaaten, die Gewässer in einen „guten Zustand“ zu versetzen. Das Flussbad leistet dazu einen kleinen Beitrag mit großer Strahlkraft – mit seinen Maßnahmen zur Reduktion von Mischabwassereinleitungen und seinem Pflanzenfilter ist es ein Modellprojekt für die Verbesserung der Spreewasserqualität. Es trägt zu einer ökologischen Wieder­belebung der Uferzonen bei, speziell im Bereich der Fischerinsel. Zudem verstärken die neuen pflanzenbestandenen Flachwasser­zonen im Spreekanal an der Fischerinsel und im Filterbereich die kühlende, mikroklimatische Wirkung des Flusses in der Stadt.

Ein Gewinn für die Gesellschaft

Das Flussbad schließt funktionale Lücken in der Innenstadt: Gerade im historischen Zentrum gibt es Bedarf an öffentlichen Erholungs­- und Sportflächen. Als grünes Band am Wasser mitsamt dem anschließenden, großzügigen Freiwasserbecken bietet es Bewegungsmöglichkeiten und begünstigt den Brei­tensport. Hinzu kommt, dass Orte wie Parks, Schwimmbäder und Seen der Begegnung aller Bevölkerungsschichten dienen und das tolerante Miteinander der Stadtgesellschaft fördern. Der derzeit herrschende Mangel an öffentlichen Räumen mit attraktivem Nutzungsangebot in der alten Mitte ist deshalb kritisch zu sehen, weil hier in Zukunft noch mehr gebaut werden wird, weitere Freiflächen verschwinden und mehr Menschen hinzukommen werden.

Das Flussbad leistet aber noch mehr als Erholungs-­ und Begegnungsort zu sein. Besucherinnen und Besucher können hier erleben, wie gut sich sauberes Wasser anfühlt. Über diese am eigenen Leib erfahrbare Annäherung vermittelt sich auch ein wichtiges, übergeordnetes Anliegen: Ressourcen-­ und Natur­schutz sollten nicht nur auf dem Land ein Thema sein. Inmitten der Großstadt besitzen sie ebenfalls große Dringlichkeit. Mit seinen vielfältigen Angeboten macht das Flussbad den Spree­kanal zu einem Symbolort des Gewässerschutzes. Das wirkt sich nicht zuletzt auf die Rolle der Stadtmitte aus: War sie bisher vorwiegend ein Repräsentationsort traditioneller kultureller Werte, finden mit dem Flussbad die Zukunftsthemen der Ökologie und Nachhaltigkeit hier ebenfalls ihren Raum. So hat die historische Mitte die Chance, zu einem Ort zu werden, der für die Diskussion diverser relevanter Themen unserer Zeit steht.

Das Projekt im Kontext der Stadt

Das Flussbad ist eine ungewöhnliche Stadtentwicklungsmaß­nahme. Hier wird nicht etwas Neues gebaut, sondern Altes und Vorhandenes auf neue Weise genutzt. Schließlich ist der Spreekanal eine der ältesten Wasserstraßen Berlins. Vom 16. bis zum 19. Jahrhundert war er der Hauptverbindungsweg für Schiffe durch die Stadt. Erst die Eröffnung der Mühlendamm­schleuse im Jahr 1894 machte die östlich der Insel verlaufende Hauptspree für den Schiffsverkehr nutzbar, ließ den Spree­kanal funktionslos werden und in einen Dornröschenschlaf versinken.

Der Kanal führt mitten durch das alte Berlin. Auf seinen 1,9 Kilometern fließt er an vielen unterschiedlichen Orten vorbei: im Süden die Hochhäuser der Fischerinsel und die geschichtsträchtigen Gebäude am Märkischen Ufer mit dem Historischen Hafen. In der Mitte die Wohnblöcke an der Fried­richsgracht, das Auswärtige Amt und die Wirtschaftshoch­schule ESMT Berlin, das Humboldt Forum und die zukünftige Bauakademie. Im Norden folgen das Deutsche Historische Museum im Zeughaus, der Lustgarten und die Museumsinsel. So wechseln sich Wohnen, Wissenschaft und Verwaltung, Kultur und öffentliche Plätze entlang des Kanals ab. Der Verein Fluss­bad­ Berlin hat sich mit all diesen Institutionen und Anrainern vernetzt, um auf ihre Interessen und Bedürfnisse einzugehen. Aus den Gesprächen haben sich zahlreiche Anpassungen im Projekt ergeben: So wird beispielsweise der Wasserzugang am Bode­-Museum zunächst provisorisch ausgeführt, um den Be­trieb zu erproben und mit den Bauarbeiten am Pergamonmu­seum in Einklang zu bringen. Mit der ESMT Berlin hat sich eine enge Kooperation entwickelt – der Flussbad­-Garten liegt auf ihrem Gelände und eine der künftigen Freitreppen zum Kanal wird hier angelegt.

Der Spreekanal hat aber nicht nur viele unterschiedliche Nach­barn und Anrainer. Er ist auch vielen rechtlichen und nutzungs­technischen Bedingungen unterworfen. So gehört er zu den vom Staat verwalteten „Bundeswasserstraßen“, während die Brücken und Uferwände des Kanals vom Land Berlin unter­halten werden.

Eine der großen Herausforderungen liegt im Untergrund: Das Berliner Abwassersystem muss an einigen Stellen moder­nisiert werden, um das Projekt möglich zu machen. Außerdem dient der Kanal auch zukünftig zur Ableitung von Hochwasser, wofür komplexe technische Lösungen entwickelt wurden.

Zu berücksichtigen ist auch der Denkmalschutz: Am Kanal liegen zahlreiche Baudenkmäler, allen voran das UNESCO­ Welterbe­-Ensemble Museumsinsel. Diese vielfältigen Rahmen­bedingungen wurden in die Planung mit aufgenommen. Dazu hat der ­Verein Flussbad Berlin eine umfangreiche Dokumentation aller Denkmale und Ensembles im Projektgebiet erstellen lassen. Auf dieser Basis wurden Lösungen für denkmalpflegerische Bedenken gefunden, z.B. in Form einer zurückhaltenden Bepflanzung des Filterbereichs an der Jungfernbrücke. So wird sich das historische Bauwerk weiterhin im Wasser spiegeln. Auch der ursprüngliche Vorschlag einer Freitreppe am Lust­garten wurde aufgrund denkmalpflegerischer Einwände zurück­gestellt. Stattdessen werden Zugänge am Humboldt Forum und an der ESMT Berlin eingerichtet.

Ein fließender Prozess

Mit dem seit 2015 immer kurz vor den Sommerferien ausgetra­genen „Flussbad­Pokal“ im Spreekanal hat der ­Verein FLUSSBAD Berlin einen neuen Schwimmwettbewerb etabliert. Das Ereignis hat es Hunderten von Teilnehmerinnen und Teilnehmern ermög­licht zu erfahren, wie gut sich das Schwimmen im Spreekanal anfühlt.

Für den Verein hat dieser jährliche „Testlauf“ jedes Mal weitere Erkenntnisse für die konkrete Planung des Flussbades gebracht. In ähnlich praxisnaher Weise ist man auch an die Herausforderung der Wasserfilterung herangegan­ gen. Auf einem Lastkahn im Spreekanal wurde unter realen Bedingungen durch Fachleute die effektivste Filtermethode ermittelt. So steht das Flussbad für eine Planungsphilosophie der einzelnen Schritte. Bei der Umsetzung wird dies nicht an­ders sein, da das Flussbad in mehreren Phasen realisiert wird.

Alles ganz einfach

Viele Menschen, die zum ersten Mal vom „Berliner Flussbad“ hören, stellen sich darunter eine Art Freibad vor. Doch kann man in vielen Städten sehen, dass ein solches Projekt etwas anderes ist. Es bedeutet weit mehr als nur einen weiteren Platz zum Schwimmen. Die Kopenhagener sind begeistert, wie sauber der Hafen ihrer Stadt geworden ist. In Chicago werden verschmutzte Kanäle zu ökologischen Lebensadern entwickelt. In Paris kommt die Stadtbevölkerung bereits heute beim alljährlichen „Paris Plage“ im Zentrum am Fluss zusammen, zukünftig soll hier auch geschwommen werden. Die Einwohner von Zürich schwimmen in der Limmat, wo die Flussbäder teils als bewusste Stadtentwicklungsmaßnahme in zuvor problema­tischen Vierteln eingerichtet wurden. In Basel schwimmen die Menschen im Rhein, der infolge des stärkeren Umweltbewusst­seins nach der verheerenden Chemiekatastrophe von 1986 heute wieder sauber ist.
Soweit es in den genannten Flüssen erlaubt ist zu schwim­men, sind die entsprechenden Bäder meist frei zugänglich und nur mit einfachsten Infrastrukturen ausgestattet. Die bewusst simpel gehaltenen, gediegenen Einrichtungen haben sich bewährt und werden sehr geschätzt – so sehr, dass beispiels­weise das Aareschwimmen in Bern inzwischen zum immateriel­len Weltkulturerbe gehört.

Ein Sommertag in Berlin

Eine 40-jährige Bewohnerin der Fischerinsel geht von ihrer Wohnung im 20. Stock des Hochhauses zur Inselspitze. Im Schein der Morgensonne macht sie auf der dort geschaffenen Plattform Gymnastik und genießt die Ruhe und den Blick aufs Wasser. Auf der Plattform steht auch ein Urlauberpaar aus Athen. Das Paar macht sich jetzt auf den Weg zum Humboldt Forum und spaziert auf der durchgehenden Steg- und Wegverbindung entlang des Wassers. Am naturnahen Wasserlauf hören sie Vögel singen und sehen Libellen beim Fliegen zu. Sie sind erstaunt, wie grün und natürlich Berlin wirkt. Nachdem sie unter der Gertraudenbrücke hindurchgelaufen sind, kommen sie zum Filterbereich mit seinen Schilfpflanzen. Sie betrachten die historische Jungfernbrücke, die sich im Kanal spiegelt. An der Hochschule ESMT Berlin passieren sie das neue Wehr, an dem das gereinigte Wasser in den Schwimmbereich fließt. Im Flussbad-Garten trifft gerade eine Biologie-Lehrerin mit ihrer Klasse aus Neukölln ein. Sie wollen selbst ausprobieren, wie man Wasser auf Keimbelastung testet. Etwas weiter flussabwärts, jenseits des neuen Wehres, gehen eben einige ältere Herren die letzten Stufen der Freitreppe hinunter zum Schwimmen. Einer von ihnen ist ein Rentner aus Moabit, der fast jeden Tag hierher kommt, selbst im Frühling und im Herbst. Mit 19 Grad ist das Wasser heute noch recht frisch, aber auch sehr klar. Er schwimmt mit der kaum merklichen Strömung und ist wieder einmal beeindruckt von der Kulisse der historischen Stadtmitte. Dabei fühlt er sich verbunden mit seiner Stadt und doch fern vom Alltag. Zügig legt er die gut 200 Meter bis zum Humboldt Forum zurück. Auf der zweiten Freitreppe sitzen Badende und Touristen ebenso wie Menschen im Anzug, die eine Büropause machen. Als der Rentner auf der Treppe in die Sonne blinzelt, hört er einem Gespräch hinter sich zu. Eine kleine Gruppe, die gerade das Humboldt Forum besucht hat, ist begeistert vom Flussbad. Morgen wollen sie noch einmal hierherkommen und auch schwimmen gehen – bis ganz nach vorne zum Bode-Museum. Das sei typisch Berlin.